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Wer Straßen baut, erntet Verkehr

Raumordnungsverfahren

Wir halten im laufenden Verfahren Maßnahmen für die Entlastung der Südharzorte von den Folgen des motorisierten Individual- und Güterverkehrs kurzfristig und langfristig für notwendig.

Die Folgen dieser Baumaßnahmen sollten uns jedoch bewußt sein.

Durch die im Raumordnungsverfahren vorgestellten Maßnahmen wird der motorisierte Verkehr in dieser Region langfristig nicht abgebaut sondern verstärkt von Herzberg ins Umland verlagert.

Durch den Ausbau der B 243 am Südharz ist die Bündelung des Verkehrs entlang der Neubautrasse beabsichtigt. Dadurch wird das Verkehrsaufkommen in diese Region in den nächsten Jahren ansteigen. Der Verkehr wird, so die Berechnungen der Planungsbehörde, vor dem Ort Scharzfeld z.B. von zur Zeit ca. 21 000 Fahrzeugen pro Tag auf 34 000 Fahrzeuge im Jahr 2010 (Nach Ausbau der B  243) ansteigen. Das ist ein Anstieg im Vergleich zu heute um ca. 50 %. Dieser Verkehr wäre für die Südharzorte eine Katastrophe. Die ca. 20 000 Fahrzeuge, die sich zur Zeit durch Herzberag drängen, sind von den Anliegern nicht zu verkraften.

Durch die Umgehungsstraße um Herzberg muß dieser Verkehr aus der Stadt herausgenommen werden. Dies ist natürlich nur eine Umverteilung des Verkehrs und keine Reduzierung. Der umgeleitete Verkehr beeinträchtigt, so die Ergebnisse der UVS, ein Naturschutzgebiet, ein Wassergewinnungsgebiet, ein Naherholungsgebiet, Wohngebiete und die Lebensräume von Pflanzen und Tieren in den Nachbarschaftsgemeinden. Wir halten es für bedauerlich, daß jede zur Erörterung anstehende Umfahrung von Herzberg aus den Bewertungen der UVS Einschnitte in den Naturhaus halt fordert. Nach Absprache der Maßnahme mit dem Bundesverkehrsrninister werden die umweltverträglichen Varianten aus Kostengründen nach Auskunft der Planungsbehörde nicht weiterentwickelt.

Die Orte Herzberg, Barbis und Osterhagen können ein weiter ansteigendes Verkehrsaufkommen nicht verkraften. Durch den Bau der Umgehungsstraße wird es in Herzberg möglich, ein neues Verkehrskonzept für den innerörtlichen Verkehr umzusetzen, Straßenzüge zurückzubauen, Bäume zu pflanzen und Grünstreifen anzulegen und den motorisierten Verkehr im Ort abzubauen. Ortsteile, die zur Zeit von den Straßenschluchten zerschnitten werden, können wieder zusammenwachsen. Wie aber kann Verkehr reduziert werden? Der überregionale Kfz--Verkehr kann langfristig nur mit dem öffentlichen Verkehrsmittel reduziert werden.

Der Ausbau des Schienennetzes und des öffentlichen Nahverkehrs muß deshalb vorangetrieben werden, um die Auswirkungen des bis zum Jahr 2010 durch den Straßenbau ansteigenden motorisierten Verkehrs für die Region langfristig gering zu halten. Die Süd-Harz-Strecken der Bahn von Herzberg nach Seesen und von Northeim nach Nordhausen dürfen nicht stillgelegt werden. Sie müssen ausgebaut werden.

Es ist festzuhalten, daß der jetzige Zustand der B 243 im Bereich der Ortsdurchfahrt Herzberg den nicht motorisierten Verkehr (Fahrrad- und Fußgängerverkehr) stark behindert und unattraktiv macht. Der umweltfreundliche innerörtliche Verkehr wird dadurch stark in seiner Entwicklung beeinträchtigt und der innerortliche motorisierte Verkehr begünstigt.

Entlang der Schnellstraßen ist das Wohnen in Herzberg eine Qual. Der Wohnraum entlang der B 27 und B 243 wird z.T. nicht mehr genutzt. Die früheren Anlieger suchen sich ruhige Wohnungen oder tragen in den Vororten durch den Bau von Neubausiedlungen z.T. zur Flächenversiegelung bei. Durch das Umziehen in die Vororte wird außerdem Verkehr produziert. Herzberg muß als Wohn- und Aufenthaltsort attraktiv bleiben und entlang der Schnellstraßen attraktiv werden.

Wir halten es für notwendig, die Wohngebiete in Herzberg entlang der Sehnellstraßen zu entlasten, um einen weiteren Verbrauch der Landschaft durch Neubaugebiete zu verringern.

Verein für Umweltschutz e. V. Herzberg
Jürgen Menge

 

Aus dem Harz Kurier vom 10. Mai 1997

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