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Elbingerode ausschließlich für den Tunnel

Neutrassierung der Bundesstraße 243 - Rat und Bürger befürchten erhebliche Einschnitte in die Natur

Elbimgerode (ar). Der Rat der Gemeinde Elbingerode hat sich am Montag abend einstimmig gegen eine Trassierung der neuen B 243 ausgesprochen, die ihre Feldmark zerschneiden würde. Sie will dem Niedersächsischen Landesamt für Straßenbau bis zum 12. Mai eine Stellungnahme zukommen lassen, in der es heißt, daß man nur der sogenannten Variante 2 (wir berichteten ausführlich) zustimmen werde. Diese Variante sieht die Untertunnelung des Weinberges vor und ist von den Baukosten her gesehen, die mit Abstand teuerste von sieben weiteren Streckenvorschlägen, die in Frage kommen.

Die Notwendigkeit einer neuen Bundesstraße 243 wird im Elbingeroder Rat anerkannt. Vorrangig sollten die Orte Barbis und Osterhagen entlastet werden. Es könne aber nicht angehen, die Situation Herzbergs zu verbessern, in dem man den Gemeinden Hörden, Elbingerode und zum Teil auch Pöhlde erhebliche Einschnitte zumute.

Der Verlust intakter Landschaft könne nicht in D-Mark aufgerechnet werden, sagte Gemeindedirektor Wilhelm Hausmann vor ca. 40 interessierten Bürgern. Er sagte, daß die von Herzberger Seite vorgeschlagenen Varianten mit einem Landverlust von ca. 110 Hektar einhergingen, während der "Tunnellösung" nur 49 Hektar zum Opfer fallen würden. Der Tunnel sei laut Gutachten mithin die umweltverträglichste Lösung. Man könne nicht nur immer auf das Geld schauen.

Bürgermeister Willi Brakel und Wilhelm Hausmann sagten, daß sich die Gemeinde nicht kurzfristig unter Zugzwang setzen lassen dürfe. Sie spielte dabei auf den möglichen Baubeginn des Projektes im Jahr 2005 hin. Vielleicht sei die Finanzlage dann besser, um einen Tunnel zu realisieren.

Während einer Sitzungsunterbrechung kamen Vertreter örtlicher Vereine und Verbände zur Sprache. Der Vorstand der Feldmarksinteressentenschaft, Willi Gödeke, sagte, daß man notfalls gegen eine Zerschneidung der Landschaft kämpfen werde und sich ebenfalls an das Landesamt für Straßenbau wenden werde. Auch der Landvolk-Ortsverband, dessen Landwirte sich in ihrer Existenz bedroht fühlen, die Forstgenossenschaft, die Jagdgenossenschaft und der Vertreter der Archäologischen Denkmalspflege wollen gleichlautende Stellungnahmen abgeben. Auf weitere Unterstützung hofft man in Hörden, beim Kreislandvolkverband und Naturschutzorganisationen sowie beim Kreisnaturschutzbund und Kreistag. Gemeindedirektor Hausmann sagte, daß voraussichtlich auch der Samtgemeinderat, der am 7. Mai in Elbingerode tagt, für die Tunnelvariante stimmen werde. Der Samtgemeindeausschuß sei sich am Montag nachmittag darüber einig gewesen.

Ratsfrau Karin Wode hoffte am Montag, daß auch die Herzberger Bevölkerung gegen eine Zerstörung der Natur vor ihrer Stadt stimme werden. Sie profitiere schließlich genauso wie die Menschen in Hörden und Elbingerode von ihr.

 

Aus dem Harz Kurier vom 30. September 1997

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