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Durch Ackerland oder Naturschutzgebiet

Trassenführung für die Bundesstraße 243n im Raum Herzberg noch offen

Herzberg (bi). Die neue Bundesstraße 243 soll eines Tages den Orten am Südharzrand  zwischen Herzberg und der Landesgrenze Thüringen die ersehnte Entlastung von Lärm und Verkehr bringen. Im Moment leiden besonders die Einwohner in Barbis und Osterhagen unter den vielen tausend Pkw und Lkw, die täglich an ihren Häusern vorbeifahren.

Allerdings müssen die betroffenen Orte noch ein paar Jahre warten, denn der erste Spatenstich für die neue Straße kann frühestens im Jahr 2009 erfolgen.

Die Bezirksregierung Braunschweig will in vier Wochen das Raumordnungsverfahren mit integrierter Prüfung der Umweltverträglichkeit abschließen. Das Verfahrenhatte am 8. Juni 1995 mit einer Antragskonferenz begonnen. Inzwischen ist der Verlauf der Trasse weitgehend festgelegt.

Nur für die Ortsumgehung Herzberg stehen noch zwei Varianten zur Auswahl. Die in der Karte mit 4c gekennzeichnete Trasse wurde bei einer Ortsbesichtigung am Mittwoch mit Vertretern der Bezirksregierung, des Landkreises Osterode, der Gemeinden und des Niedersächsischen Landesamtes für Straßenbau ausgeschlossen. Das Gelände in Hanglage zwischen Nüllberg und dem Flußbett der Sieber würde umfangreiche und kostspielige Baumaßnahmen erfordern.

Die Variante 4 umgeht den Nüllberg auf der Hördener Seite, die Variante 4d führt durch das Landschaftsschutzgebiet Siebertal.

Die Bezirksregierung muß sich in den nächsten vier Wochen für eine dieser beiden Möglichkeiten entscheiden. Bei Trasse 4 wären 11,5 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche betroffen, bei Wahl der Trasse 4d nur rund 8,3 Hektar. Die Forstwirtschaft würde mit 7,3 Hektar (Nr. 4), bzw. 8,8 Hektar in Mitleidenschaft gezogen. Insgesamt würden bei einer Entscheidung für die Trassenvariante 4 rund 21 Hektar benötigt, bei Variante 4d rund 1.8 Hektar.

Bei Variante 4d wären aber insgesamt 5,6 Hektar Landschaftsschutz-, bzw. Naturschutzgebiet betroffen, bei Variante 4 fallen 2,9 Hektar unter den Schutzstatus.

Die Trasse 4 würde auf insgesamt 600 Metern durch Landschafts- und Naturschutzgebiete führen. Bei der Trasse 4d beträgt die Strecke 1600 Meter.

Wenn die Entscheidung gefallen sei, werde es sicherlich einen Aufschrei von der jeweils betroffenen Seite geben, so Regierungspräsident Peter-Jürgen Schneider. Zu einen wären die Landwirte im Raum Hörden und Elbingerode stark betroffen, zum anderen käme es sicherlich zu Protesten der Naturschützer.

Es werde in jedem Fall die nötigen Ausgleichsmaßnahmen geben, so der Regierungspräsident. Diese würden bei Wahl der Variante 4c sicherlich umfangreicher ausfallen müssen. Sollte alles glatt laufen, keine Partei den Klageweg beschreiten, könnten zumindest die Kinder der Enkel der Herzberger dann noch auf der neuen Straße fahren.

Einen kleinen Trost hatte der Regierungspräsident zudem noch für die Barbiser und Osterhagener. Wenn gebaut werde, käme zu erst der Raum Bad Lauterberg dran. Dann ginge es bei Bad Sachsa-Mackenrode weiter. Zum Schluß würde dann die Ortsum-gehung Herzberg, egal ob  nun rechts oder links vom Nüllberg, gebaut.

 

Aus dem Harz Kurier vom 14. August 1998

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