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"Aktiver Schallschutz muß Vorrang haben"

Verein für Umweltschutz nimmt Stellung zum Planfeststellungsverfahren Schallschutz in Herzberg

Herzberg (ms). Wann wird endlich etwas für die Entlastung der Anlieger der B27/243 in Herzberg getan? Diese Frage stellten die Anlieger der Schnellstraßen in den letzten vier Jahren immer nachdrücklicher gegenüber Verwaltungen und Politikern.

In Herzberg liegen jetzt die Pläne für schalltechnische Maßnahmen im Rathaus zur Einsicht aus. Die Herzberger können dazu bis zum 24. Februar Stellung nehmen und Nachbesserungen einfordern.

Geplant sind entlang der B27 in Richtung Bad Lauterberg beidseitig aktive Schallschutzmaßnahmen wie Schallschutzwall oder Schallschutzmauer und passive Maßnahmen wie die Finanzierung von Schallschutzfenstern. Welche Maßnahme angewendet wird, hängt u.a. von der Ausweisung des Bebauungsgebietes ab. So haben reine Wohngebiete vorrangig Anspruch auf Schallschutz. Dazu hat das Straßenbauamt Goslar Berechnungen anstellen lassen, die ebenfalls im Rathaus (Bauamt) zur Einsicht ausliegen.

Für folgende Herzberger Straßen sind aktiver oder passiver Lärmschutz vorgesehen: Kastanienplatz, Am Weinberg, Göttinger Straße, Schloßstraße, Heinrich-Heine-Straße, Landgraben, Lönsstraße, Hebbelstraße, Denkmalsweg, Schillerstraße, Goethestraße, Raabestraße, Scharzfelder Straße, Am Edelhof und Wiesenweg Anlieger dieser Straßen können teilweise mit Zuschüssen für Schallschutzfenster (oft nur im oberen Teil der Häuser) rechnen.

Der Herzberger Verein für Umweltschutz findet die geplanten Maßnahmen zwar begrüßenswert, er sieht darin langfristig jedoch keine geeignete Lösung, weil sie bestenfalls nur zur Schallreduzierung beitragen, die Abgasbelastung jedoch bestehen bleibt. Außerdem würden sich die Schallschutzmauern negativ auf das Stadtbild auswirken, so die Herzberger Umweltschützer, die jetzt eine Stellungnahme zu den Plänen erarbeitet haben.

Einige Nachbesserungen sind nach Meinung des Vereins notwendig, wenn Lärmschutzwände gebaut werden sollen: Bei der Planung und Gestaltung der schalltechnischen Maßnahmen muß der aktive Schallschutz Vorrang haben vor dem passiven. Dadurch werde der Wert der gesamten Grundstücke teilweise verbessert. Es sei deshalb zu überlegen, ob die geplante Lärmschutzwand, die hinter der Homann-Kreuzung, Richtung Bad Lauterberg beginnt und vor der Aral-Tankstelle endet, verlängert werden kann. So könnten die Wohngebiete Am Weinberg, Göttinger Straße, Schloßstraße sowie im Bereich Edelhof entlastet werden.

Grundsätzlich sollten Wohnhäuser, unabhängig von der Ausweisung des Bebauungsgebietes den gleichen Anspruch auf Schallschutz haben. Dies gilt insbesondere für die Häuser auf dem Gelände von Licht und Kraft und am Kastanienplatz.

Die Umweltschützer weisen aber auch darauf hin, daß innerhalb der Schallschutzmauern mit erhöhten Abgaswerten gerechnet werden muß. Der Fußweg vom Schützenplatz zum Fußgängertunnel am Landgraben müsse daher hinter der Wand entlangführen.

Info-Veranstaltung

Eine Informationsveranstaltung zum Thema "Schallmauer und Schallschutzfenster" bietet der Verein für Umweltschutz am 22. Februar um 19.30 Uhr im "Englischen Hof" an.

 

Aus dem Harz Kurier vom 14. Februar 1994

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