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"Wir könnten morgen die Atomkraftwerke abschalten"

Kann die deutsche Wirtschaft ohne Atomkraft auskommen? Experten streiten

BRAUNSCHWEIG. Die Nuklearkatastrophe in Japan bringt Bewegung in die deutsche Debatte um den Atomausstieg. Wie sehr die Wirtschaft auf Atomkraftwerke angewiesen ist, ist umstritten.

"Wir haben in absehbarer Zeit gar keine Alternative zur Atomenergie", sagt Dieter Kind, der 20 Jahre lang Präsident der Physikalisch Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig war: "Ob wir sin 50 oder 100 jahren noch Kernenergie brauchen, das wage ich nicht zu sagen. Aber kurzfristig können wir darauf. nicht verzichten - zumindest nicht wenn wir weiter die Klimaschutzziele erreichen wollen."

Nach Ansicht des Professors würde ein zu schneller Ausstieg aus der Atomenergie sowohl bei der Versorgungssicherheit als auch bei der Wirtschaftlichkeit, Probleme bereiten - und mit Blick auf die Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes sogar auch beim Umweltschutz.

"Viele alte Meiler könnte man abschalten, ohne dass jemand anders als die Betreiber einen Schaden davon hätte", sagt Reinhard Leithner, bis vor einem Jahr Leiter des Instituts für Wärme- und Brennstofftechnik der TU Braunschweig. "Würden alle deutschen Atomkraftwerke von heute auf morgen abgeschaltet, wären aber Engpässe zu Spitzenlastzeiten die Folge."

 

Aus dem Harz Kurier vom 14. März 2011
von Marc Chmielewski und Uwe Hildebrandt