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Tschernobyl, Harrisburg, Forsmark

Kernenergie - Havarien, Katastrophen, Störfälle

In wenigen Wochen, kurz vor Ostern 2011, treffen sich Europas Tschernobyl-Initiativen in Minsk/Weißrussland - und besichtigen und diskutieren die Spätfolgen der bislang größten Katastrophe der friedlichen Nutzung der Kernenergie: Tschernobyl.

"25 Jahre nach Tschernobyl" lautet das Thema der Konferenz, bei der die enormen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen des Reaktorunglücks am 26. April 1986 mit Zeitungen, Helfern von damals und Opfern in den Blickpunkt gerückt werden. Böse Ironie der Geschichte - exakt 25 Jahre später müssen nun aktuelle Parallelen gezogen werden.

Im ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl dicht an der Grenze zu Weißrussland war es in Block 4 nach Experimenten und Bedienungsfehlern zur Kernschmelze gekommen. Die Explosion führte zur radioaktiven Verseuchung weiter Landstriche der Ukraine und Weißrusslands in der damaligen Sowjet-Union - eine radioaktive Wolke zog über Europa hinweg.

Es dauerte Tage, bis die damalige Sowjet-Führung die Schwere der "Havarie" einräumte - doch nicht viel anders war es 1979 in den USA, wo es im Kernkraftwerk "Three Mile Island" in Harrisburg ebenfalls zur Kernschmelze und Ausbreitung einer radioaktiven Wolke gekommen war. Offenbar hatte eine Explosion des außer Kontrolle geratenen Reaktors kurz bevor gestanden.

Als 2006 im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark nach einem Kurzschluss und Schnellabschaltung das Notkühlsystem nicht sofort ansprang, wurde die Achillesferse des Reaktortyps sichtbar, der jetzt auch in Japan betroffen ist. Wenn keine Energie zur Kühlung mehr zur Verfügung steht - aus welchen Gründen auch immer - wird es gefährlich.

Die Schweden brachten die Notstromaggregate per Hand zum Laufen, es blieb bei einem Störfall, der nicht zur Katastrophe wurde. Anders ist es jetzt in Japan - und erst die nächsten Tage werden endgültig zeigen, wofür "Fukushima" künftig im Geschichtsbuch stehen wird.

 

Aus dem Harz Kurier vom 14. März 2011
von Henning Noske