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Spielplatz übernimmt auch soziale Funktionen

"Hohe Wogen schlug die Diskussion um die Erstellung des neuen Kinderspielplatzes am Heuer in der Sitzung des Stadtrates in Sieber." Mit diesem Satz beginnt ein Artikel des Harzkuriers vom 25. März 1993. Wir sind über den Gegenstand dieser Auseinandersetzung entsetzt. Seit 1971(!) sind zwei Spielplätze am Heuer im Herzberger Bebauungsplan ausgewiesen und in dem vergangenen Jahr u.a. per Harzkurier erneut der Öffentlichkeit präsentiert worden - mit der Bitte um Ideen und Vorschläge, auf die leider niemand einging.

Nun, wo der Stein - auch dank Herrn Stadtdirektor Behrens - endlich ins Rollen gekommen ist, melden sich Kritiker zu Wort.

Wir sind der Meinung, daß gerade jetzt, wo so viel über Gewalt unter Kindern, Isolation und Schädigungen von Kindern durch TV, Video, Gameboy und Computer geklagt wird, diesem löblichen Vorhaben der Stadt nicht widersprochen werden darf.

Der kürzlich in einem Leserbrief auftauchende Vorschlag, jedes Kind solle in seinem eigenen Garten spielen (etwas, das am Heuer möglich sein mag, in der Innenstadt, wo ein Spielplatz noch viel dringender vonnöten ist, aber nicht), zeigt, daß der Autor, wie offenbar einige Ratsmitglieder auch, die soziale Funktion eines Spielplatzes völlig verkennen: Kinder sind dort nicht nur gut aufgehoben und beschäftigt, sie sollen über das Spielen an den Geräten hinaus mit einander ins Spiel kommen. Auch Mütter/Väter, die im Neubaugebiet Heuer eben oft neu angesiedelt und noch isoliert sind, können auf einem solchen Platz miteinander ins Gespräch kommen.

Wenn der Herzberger Rat weiterhin im Schneckentempo an der Realisierung von Plänen wie Marktplatzverschönerung, Anlegen (überlebens-)wichtiger Radwege, Tempo 30-Zonen u.ä. arbeitet, sind wir vielleicht doch zu optimistisch mit unserer Hoffnung auf "Herzberg 2000 - die freundliche Stadt für alle Bürger"?

 

Aus dem Harz Kurier vom 27. März 1993
von Angelika Fischer-Gieseler, Hubert Gieseler und Edda u. Georg v. Gruben