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"Schlechte Luft aus DDR"

Ministerium: Meßstation bleibt in Duderstadt

Duderstadt (han). Die Luft im Eichsfeld ist bekanntlich schlecht, vor allem in den Wintermonaten. In einem Brief an die Stadtverwaltung hat das Niedersächsische Umweltministerium nun entschieden. daß die mobile Meßstation in Duderstadt bleibt. Eine Aufnahme der Region in die Smogverordnung, so erklärt das Ministerium, sei allerdings nicht beabsichtigt. Aber die Bezirksregierung Braunschweig ermöglicht in Zukunft genaue Angaben zur Luftverschmutzung, die dann auch regelmäßig veröffentlicht werden können.

Die schlechte Luft im Eichsfeld führt das Ministerium der Landesregierung größtenteils auf den Ausstoß von Schadstoffen in DDR-Braunkohlerevieren zurück. Genannt werden die Reviere in Halle, Leipzig und Lausitz. Bei östlichen und südöstlichen Winden würden die Schadstoffe in das südliche und östliche Niedersachsen herübergeweht, heißt es in dem Schreiben aus Hannover.

"Nach den vom Länderausschuß für Immissionsschutz unter Beteiligung Niedersachsens veröffentlichten Ergebnissen der Smogperiode vom Januar 1985 beruhen circa 80 Prozent der Luftschadstoffe auf Ferneinträgen durch Emissionen aus Quellgebieten östlich der Grenze", heißt es im Verwaltungsdeutsch des Ministeriums. Festgestellt wurde die Belastung anhand der Stationen in Münden und Duderstadt.

Während der Somgtage im Januar, wird zudem im Schreiben erläutert, habe die Luftverschmutzung Wertde erreicht, die in Smoggebieten die Vorwarnstufe ausgelöst hätten. In der gesamten DDR würden jährlich 4,8 Millionen Tonnen Schwefeldioxid in die Luft geblasen, ein nicht unerheblicher Teil in der Grenznähe zum Eichsfeld. Dies verdeutliche, daß emmissionsmindernde Maßnahmen aufgrund der Smogverordnung nur eine flankierende Rolle spielen können.

Der gesamte Landkreis Göttingen sei zu 90 Prozent von Luftschadstoffen, die außerhalb des Landes freigesetzt würden, betroffen. Nennenswerte Emittenten gebe es in der Region nicht, erläuterte das Ministerium der Landesregierung, emmissionsmindernde Maßnahmen würden angesetzt. Daraus geschlossen: "Unter diesem Gesichtspunkt ist eine Aufnahme in die Smogverordnung nicht beabsichtigt."

Nun soll aber die Konzeption des Lufthygienischen Überwachungssystems Niedersachsen (LÜN) neu überdacht werden. Eine Neuverteilung der aufgestellten stationären und mobilen Meßstationen sei geplant. Dabei werde derzeit nicht beabsichtigt, die LÜN-Station in Duderstadt abzuziehen. Vielmehr werde Göttingen eine zusätzliche Meßstation erhalten. Außerdem soll dafür gesorgt werden, daß flächendeckende Aussagen zur Luftqualität zukünftig jederzeit möglich sind.

Zu diesem Thema hat sich Ordnungsamtsleiter Georg Betram mit der Bezirksregierung Braunschweig in Verbindung gesetzt. Dort wird solche Handhabung befürwortet. Von den Stationen werden zukünftig die Werte nach Hannover weitergeleitet, von wo sie dann nach Braunschweig gehen. Duderstadts Verwaltung kann künftig an Tagen mit Smoggefahr dort die Luftbelastung im Eichsfeld abfragen. Gegen eine regelmäßige Veröffentlichung der Werte gibt es seitens der Verwaltung keine Bedenken.

 

Aus dem Harz Kurier vom 16. September 1987