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"Ozonwerte werden geschönt"

Als die Politiker daran gingen die Sommersmogverordnung (bundeseinheitliche Regelung seit dem 26. Juli 1995)  zu beschließen, müssen sie es bereits gewußt haben. Im nächsten Sommer wird es wohl kaum zu Überschreitungen des Grenzwertes von 240 µg/m3 kommen. Zu diesem Schluß muß man kommen, wenn man den Bericht des Niedersächsischen Landesamtes für Ökologie für den September '95 liest.

Bereits im Sommer '94 kritisierten die Grünen die Informationspolitik des Niedersächsischen Landesamtes. Nach Abschluß der Ozonsaison '95 stellt das Landesamt nun unter Berücksichtigung der neuen Meßverfahren die Ozonbelastung der Jahre '94  und '95 dar. Was hatte man verändert? Meßstationen wurden abgebaut und Meßverfahren für die Ozonmessung gleich zweimal verändert. Bereits 1994 wurde entsprechend einer neuen EU-Richtlinie ein neues Kalibrierverfahren eingeführt und 1995 wurde noch der Temperaturbezug bei der Berechnung der Ozonbelastung geändert. Beide Änderungen bewirkten eine rechnerische Erniedrigung der Ozonkonzentration um jeweils sieben Prozent. Dieses Runterrechnen macht sich sehr stark bei der Gegenüberstellung der Grenzwertüberschreitung bemerkbar.

Im Harz (Meßstation Wurmberg) gab es im Jahr '94 nach der alten Meßmethode 38 Überschreitungen des Grenzwertes von 180 µg/m3. Die erste Änderung der Meßmethode (1994) führte zu einer rechnerischen Verminderung von sieben Prozent und man stellte nur noch 27 Überschreitungen des Grenzwertes fest. Die zweite Änderung des Temperaturbezuges (1995) führte zu einem weiteren runterrechnen. Der Grenzwert von 180 µg/m3 wird dadurch nur noch 18mal am Wurmberg überschritten. Beide Änderungen ergeben zusammen eine Halbierung der Überschreitungstage. Diese Auswirkungen sind bei den anderen Meßstationen des Landes ähnlich. Viele Überschreitungen des Grenzwertes von 240 µg/m3 (er ist als Grenzwert für die Sommersmogverordnung festgelegt worden) werden mit den neuen Methoden weggerechnet.

Die Ozonbelastung ist also geringer geworden im Land, zumindestens rechnerisch und vor Fahrverboten braucht niemand mehr Angst zu haben. Nur die atemwegserkrankten Menschen, die Tierwelt und die ozongeschädigten Pflanzen merken von dieser Senkung der Ozonwerte nichts. Schade eigentlich.

Jürgen Menge
Verein für Umweltschutz e.V. Herzberg

 

Aus dem Harz Kurier vom 09. Januar 1996

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Ozon

Ozonbelastung im Sommer 1995 rückläufig

BONN. Trotz des vielen Sonnenscheins 1995 und hoher sommerlicher Temperaturen gab es in Deutschland nach Angaben von Bundesumweltministerin Merkel insgesamt weniger Ozonbelastung als in vorhergehenden Jahren. Wie die CDU-Politikerin am Montag in einer Ozon-Bilanz erklärte, ist dies das Ergebnis von über 300 Stationen, an denen in der Bundesrepublik bodennahes Ozon gemessen werde. Dank der geringeren Ozonkonzentrationen war es nicht erforderlich, Fahrverbote zu erlassen.

Der Schwellenwert von 180 Mikrogramm wurde im Berichtsjahr an insgesamt 57 Tagen überschritten. Der Konzentrationswert von 240 Mikrogramm sei im Sommer an insgesamt 16 Tagen überschritten worden. Der Schwerpunkt lag im süd- und westdeutschen Raum: Baden-Württemberg neun Tage, Hessen acht Tage und Nordrhein-Westfalen sechs Tage. (AP)