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"Welchen Stellenwert soll der Jues erhalten?"

Herzberger Hauptschüler dachten über Umweltschutz nach

Herzberg (ema). 15 Schüler der Herzberger Ernst-Moritz- Arndt-Hauptschule beteiligten sich mit einer Arbeit über den Zustand des Juessees am Jugendwettbewerb "Unsere Um- welt mitgestalten" der Sparkasse im Kreis Osterode. Neben einer wirtschaftlichen Analyse verfaßten die 13- bis 15jährigen eine fundierte Stellungnahme aus ihrer Sicht zum Thema "Welchen Stellenwert soll der Juessee erhalten". Dieser Beitrag ist im folgenden wiedergegeben:

"Durch die von uns durchgeführten Untersuchungen konnten wir feststellen, daß das Gewässer (Jues) eine sehr gute Wasserqualität hat. Grundlage für die Diskussion in der Gruppe waren Zeitungsartikel und Diskussionen in der Bevölkerung. Folgende Möglichkeiten wurden von uns erwogen:

  1. Der Jues als Lebensraum für Amphibien und seltene Vögel. Um diese Voraussetzung zu erfüllen, müßten wesentliche Veränderungen passieren. Die Bepflanzung der Uferzone müßte anders gestaltet werden (Schilf); die Badeanstalt geschlossen werden. Damit die Vögel beim Brüten von Spaziergängern nicht gestört werden, müßten neue Wege angelegt werden, damit ein Mindestabstand eingehalten wird. Noch problematischer wird es bei den Lurchen und Amphibien. Kröten, Molche und Grasfrösche verlassen nach dem Ablaichen das Gewässer und beginnen zu wandern. Hier sehen wir, durch das hohe Verkehrsaufkommen rund um den Jues, kaum Überlebenschancen für die Tiere.
  2. Um den .Schandfleck' Wasserpest zu beseitigen, wäre eine Radikallösung (ausbaggern) möglich. Hier würde aber ein ökologisches System total zerstört und müßte wieder neu aufgebaut werden.
  3. Der Jues bleibt als Naherholungsgebiet und Badegewässer der Bevölkerung erhalten. Gegen eine Kombination Laichgewässer und Badebetrieb sprechen zu viele Gründe.

Fazit der Gruppe

Wir vertreten die Auffassung, daß der Jues als Badegewässer und Naherholungsgebiet erhalten bleibt. Es ist wichtig, daß auch dem Menschen Möglichkeiten der Ruhe und Entspannung erhalten bleiben. Das Ärgernis Wasserpest könnte durch flaches Ausbaggern der Uferzone in Grenzen gehalten werden. Damit sich das ökologische System regenerieren kann, sind wir für ein Ausbaggern in Teilabschnitten.

Es ist richtig, daß gefährdeten Tierarten durch die Zivilisation Lebensraum genommen wird. Es sollten Feuchtbiotope in Gegenden angelegt und gepflegt werden, die auch erforderliche Voraussetzungen mitbringen (kein Verkehr, keine zu enggeführten Wanderwege usw.).

Wir möchten aktiv am Umweltschutz teilnehmen und nicht nur über Fernsehen und Zeitungsartikel beteiligt werden. Vielleicht kann diese Arbeit auch dazu beitragen, daß zukünftig bei ähnlichen Untersuchungen (Jues-Gutachten für DM 15000) auch Schüler und Jugendliche beteiligt werden. Dazu müßte sicherlich über Paragraphen auch einmal geflissentlich hinweggesehen werden, wenn es um Fragen des Umweltschutzes geht, für die öffentliche Mittel ausgegeben werden."

 

Aus dem Harz Kurier vom 05. Januar 1989