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Noch sind Algen keine Gefahr

Schwimmen in den meisten Badeseen bis jetzt unbedenklich - Blaualgenwasser für Kleinkinder riskant

HANNOVER. Trotz vermehrter Blaualgen ist das Schwimmen an den meisten niedersächsischen Badeseen derzeit gefahrlos. "Entscheidend für eine gesundheitsgefährdende Einschätzung ist nicht allein die Menge der Blaualgen, sondern die Konzentration der gebildeten Gifte", sagte die Leiterin der Abteilung Hygiene und Umweltmedizin der Region Hannover, Constanze Redlich, gestern.

Derzeit seien Teile des Sonnensees in Hannover gesperrt. Das Baden im Steinhuder Meer sei trotz weithin sichtbarer Algen dagegen nicht bedenklich. Auf Grund der lang anhaltenden Hitze und Trockenheit können sich die Blaualgen, die eigentlich schlierig grün schimmern, im Moment rasend schnell vermehren. Gefährlich ist aber das durch die Algen gebildete Gift "Mikozystin".

"Dies kann zu Entzündungen der Nasen- und Augenschleimhäute führen sowie Leber, Dünndarm und Nieren schädigen", erläuterte die Medizinerin. Hautreizungen sind dagegen seltener, da die Gifte der Blaualge nicht über die Haut aufgenommen werden.

Zwar sind laut Redlich noch keine Todesfälle bei Menschen bekannt geworden, trotzdem sollten besonders Eltern von Kleinkindern auf Warnschilder an Gewässern achten. "Das Badeverhalten von Kindern ist halt ganz anders als das der Erwachsenen, die Kinder toben und plantschen und schlucken daher auch einige Mengen Wasser", sagte Redlich. Ein großer Schluck mit Blaualgen durchsetztes Wasser mit einem Giftgehalt von 90 Prozent könne für Kleinkinder tödlich sein.

An den Gewässern mit erhöhtem Blaualgenbewuchs - in Niedersachsen sind dies das Steinhuder Meer, der Ricklinger Dreiecksteich und der Parksee in Lohne - wird mindestens ein Mal am Tag eine Wasserprobe entnommen. Im Labor wird dann die Giftkonzentration untersucht. "Wird dort eine zu hohe Konzentration von Mikozystin festgestellt, wird das gesamte Gewässer oder Teile davon gesperrt", erklärte Redlich.

An den drei genannten Gewässern sei dies aber nicht der Fall. "Dort würde ich meine Kinder auch bedenkenlos zum Baden schicken", meinte Redlich. (lni)

 

Aus dem Harz Kurier vom 28. Juli 2006
von Andre Jahnke

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