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Nitrat-Belastung steigt weiter

Trinkwasser

Die Bezirksregierung Braunschweig sieht "weiterhin dringenden Handlungsbedarf" beim Trinkwasserschutz.

GÖTTINGEN. "Aus unserer Sicht besteht nach wie vor ein dringender Handlungsbedarf zum Schutz der Trirnkwasserversorgung", erklärt Petra Düster vom Dezernat Wasserwirtschaft/Wasserrecht der Bezirksregierung Braunschweig. Man habe zwar schon einiges erreicht, könne aber noch nicht zufrieden sein.

Jüngste Untersuchungen haben gezeigt, daß im Amtsbezirk des Staatlichen Amtes für Wasser und Abfall (StAWA) Göttingen in 52 Prozent der Proben im oberflächennahen Grundwasser (bis zu 20 Meter Tiefe) der Nitratgehalt über dem EG-Richtwert liegt. Der EG-Richtwert liegt bei 25 Milligramm Nitrat pro Liter, der Grenzwert bei 50 Milligramm pro Liter. Die Belastungstendenz ist weiter steigend.

Die insbesondere im oberflächennahen Grundwasser festgestellten hohen Nitrat-, Kalium- und Chloridgehalte belegen laut Petra Düster "nach heutigen Erkenntnissen den Einfluß der landwirtschaftlichen Flächennutzung?". Als Ursache für die Nitratbelastung wird der Einsatz von Wirtschafts- und Mineraldüngern in der Landwirtschaft angesehen. Bei der Zielvorgabe, optimale Erträge zu erwirtschaften, würden die Aspekte einer gewässerschutzorientierten Bewirtschaftung eher vernachlässigt.

Aufgrund der problematischen Entwicklung der Wasserqualität sieht die Landesregierung im Gewässerschutz eine zentrale Aufgabe der Umweltvorsorge. Ziel sei es, die Sicherung der Trinkwasserversorgung durch Zusammenarbeit von Wasserwirtschaft und Landwirtschaft zu erreichen, erklärt die Bezirksregierung.

Eine Möglichkeit, die Gewässer vor negativen Einflüssen zu schützen, ist die Ausweisung von Wasserschutzgebieten. Im Regierungsbezirk Braunschweig gibt es derzeit 99 solcher Gebeite, für 59 weitere ist die Ausweissung beantragt. Da die Landbewirtschaftung auf solchen Flächen eingeschränkt ist, erhalten die betroffenen Landwirte Ausgleichszahlungen.

Darüber hinaus gibt es auch freiwillige Vereinbarungen zwischen Landwirten und dem Land Niedersachsen. Dabei verpflichten sich die Landwirte zu Maßnahmen, die noch über die Bestimmungen in den Schutzgebieten hinausgehen.

Projekt "nexus"

Im Raum Göttingen wird in einem Pilotprojekt des Niedersächsischen Umweltministeriums versucht, den Landwirten die Vorzüge des ökologischen Landbaus näherzubringen. "Nexus" lautet der Name des Projekts, für das die Göttinger Stadtwerke die Trägerschaft übernommen haben. Damit umweltschonendes Wirtschaften für die Landwirte auch finanziell zu einer lohnenden Angelegenheit wird, will "nexus" die Betriebe fundiert beraten. In der Umstellungsphase auf Biolandbau kommen die Landwirte zudem in den Genuß weitergehender Hilfen. (geh)

 

Aus dem Harz Kurier vom 20. September 1994

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