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Keine akute Gefahr aus Altablagerungen

Amtsleiter hält Wasserschutzgebiet im Pöhlder Becken für geboten - Trinkwasserverbund zur Sicherheit

Duderstadt/Göttingen (rd). Eine akute Gefahr für die Trinkwasserversorgung des Eichsfelds aus der ergiebigen Rhumequelle vermag den Leiter des zuständigen Wasserwirtschaftsamtes, Klaus Martin Liersch, nicht zu erkennen. Gegenüber dem TAGEBLATT räumte Liersch ein, daß von den Altablagerungen im Pöhlder Becken mögliche Gefährdungen ausgehen könnten, doch sei dies schon bekannt gewesen, als man sich in Duderstadt anschickte, die Rhumequelle für die Trinkwasserversorgung zu nutzen.

An 19 Stellen hat das Amt inzwischen Altablagerungen im Pöhlder Becken ermittelt. Liersch betont, daß man nicht davon ausgehen könne, daß dies schon alles sei. Eine völlige Sanierung des Gebiets hält der Fachmann für nicht möglich, dagegen sei die Ausweisung eines Wasserschutzgebietes dringend anzuraten, weil man damit wenigstens neue Belastungen verhindern könne.

Im Wasserwirtschaftsamt legt man Wert auf die Feststellung, daß es im Pöhlder Becken keine ermittelten Altlasten gebe, schließt allerdings auch nicht aus, daß eine Untersuchung der Altablagerungen auch Altlasten zutage fördern könnte. Liersch weist auf zwei Ursachen hin, die dieses Gebiet für Untersuchungen schwierig machen: Zum einen seien durch Auswaschungen im Gipskarst-Untergrund seit Jahrhunderten immer wieder Erdfälle vorgekommen - die letztlich zur Entstehung der Rhume-Sage geführt hätten. Die seien dann auch wieder verfüllt worden. Kein Mensch wisse jedoch, was da drin liege.

Zum anderen habe der Kiesabbau Aufschüttungen und Rekultivierungen erforderlich gemacht - und auch da sei oft nicht bekannt, was für Materialien benutzt worden seien. Weder die im Duderstädter Rat erwähnten, offenbar zu diesem Zweck in jüngerer Vergangenheit eingesetzten Bariumsulfat- noch die Klärschlämme hält Liersch für ein wesentliches Gefährdungspotential: Aus den Klärschlämmen werde im wesentlichen Kalk ausgewaschen, Bariumsulfat werde in der Medizin als Kontrastmittel bei Röntgenaufnahmen benutzt. Liersch: "Da können viel unangenehmere Dinge ankommen." Und er verweist als Beispiel auf die Möglichkeit eines irgendwo im Erdreich verbuddelten Ölfasses, das niemand zu finden in der Lage sei.

Als beruhigend sieht Liersch dabei an, daß man jetzt das Wassereinzugsgebiet der Rhumequelle ziemlich genau definiert habe: Nach den Untersuchungen des Amtes lasse sich klar erkennen, die Schüttungsmenge der Rhume mit 62 Millionen Kubikmetern im Jahr bis auf 2,3 Millionen Grundwasser im unmittelbaren Quellbereich aus Sickerwässern von Sieber, Beber und Oder gespeist wird. Liersch: "Es gibt im Vergleich zu anderen Oberflächenwässern keine beunruhigenden Werte im Rhumewasser."

Im übrigen seien die Membrane der Osmose-Anlage für die auszufilternden Sulfate sehr fein: Fast alle Schadstoffe bestünden aus größeren Molekülen, würden also ausgefiltert. Intensive Überwachung sei gleichwohl dringend geboten. Außerdem müßte ein Wasserverbund mit Herzberg und Lauterberg sowie mit der Söse-Leitung installiert werden, der im Ernstfall Zumischung von Wasser ermöglicht.

Auch das Gefährdungspotential in den Ablagerungen des Pöhlder Beckens werde selbstverständlich weiter eingekreist. Zur Zeit fehlten aber noch die Kriterien, nach denen eine solche Gefährdung eingeschätzt werden sollte. Und was die gründliche Untersuchung angeht, läßt Liersch keinen Zweifel: "Das kostet sehr, sehr viel Geld."

 

Aus dem Karz Kurier vom 26. September 1986

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