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Kein guter ökologischer Zustand

Südniedersächsische Flüsse entsprechen kaum der EU-Wasserrahmenrichlinie

GÖTTINGEN. Der oberflächliche Eindruck trügt: Nicht jeder Bach oder Fluss, der augenscheinlich klares Wasser führt, ist nach ökologischen Grundsätzen in einem guten Zustand. Begradigte oder gar befestigte Ufer, Staustufen und Wehre sind Ökologen genau so ein Dorn im Auge wie die unsichtbare Fracht der Gewässer: Salze, Phosphate und Stickstoff. Nach der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union (EU) sind alle Mitgliedsländer verpflichtet, bis 2015 für einen "guten ökologischen Zustand" ihrer Gewässer zu sorgen. Nach einer vorläufigen Erhebung ist für die südniedersächsischen Flüsse das aus Brüssel vorgegebene Ziel in weiten Teilen wahrscheinlich nicht erreichbar. Zu viele Beeinträchtigungen des natürlichen Zustands wurden an den Fließgewässern festgestellt (siehe rechts).

Heute will die Bezirksregierung Braunschweig bei einem Gebietsforum in Göttingen die vorläufigen Ergebnisse für die Bereiche von Leine/Ilme und Rhume vorstellen. Für den Oberlauf der Weser ist ein solches Forum im Mai in Hameln geplant.

Nach den Worten von Carsten Moronga von der Göttinger Außenstelle der Bezirksregierung geht es bei diesem Termin darum, die bisherigen Resultate der Untersuchungen vorzustellen, um   Transparenz zu schaffen. "Wir verbieten noch nichts", betont Moronga, dass noch kein Gevvässer-Anrainer mit Einschränkungen rechnen muss. Konkrete Maßnahmen würden erst geplant, wenn die Bestandsaufuahme für den Wassereinzugsbereich der gesamten Weser abgeschlossen ist. Dieses Gesamtergebnis soll nach Morongas Worten im Herbst vorliegen. Zuvor seien in einzelnen Bereichen noch ergänzende Messungen notwendig. Bis 2008 sollen ein l/Iaßnahmenkatalog und ein Zeitplan für seine Umsetzung vorliegen.

Etwas günstiger als bei den Fließgewässern ist das Bild in der Region beim Grundwasser. In den acht Grundwasserbesreichen gibt es bei der Hälfte keine Problemen, so Moronga. In zwei sind die Nitratbelastungen zu hoch. In den übrigen zwei gibt es im Südharz Probleme mit einer Rüstungs- und einer Deponiealtlast.

 

Aus dem Harz Kurier vom 10. April 2004
von Olaf Weiss

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Weser

Während in der Weser jegliche Querbauwerke wie Staustufen und Wehre fehlen, behindern solche in Nieme, Schede und Schwülme die Wanderungsmöglichkeiten von Wassertieren, insbesondere Fischen. Die Befestigung der Weser-Ufer mit Steinschüttungen sowie die Bebauung der Auen und deren intensive landwirtschaftliche Nutzung steht einem naturnahen Zustand entgegen. Das gilt auch für die Veränderungen der Läufe von Nieme und Schede infolge intensiven Ackerbaus. Die Chloridbelastung der Weser durch die Kaliindustrie in Hessen und Thüringen hat abgenommen. Die
Tier- und Pflanzenvielfalt hat deshalb wieder zugenommen, in Nieme, Schede und Schwülme ist sie eingeschränkt. (OWS)

Leine

Viele Querbauwerke behindern die Wanderungsmöglichkeiten von Fischen in der Leine sowie in ihren Zuflüssen Ilme und Espolde. Bei Bewerbach, Garte, Moore und Gande ist die Beseitigung von Wanderhindernissen in Planung oder bereits in Arbeit. Ein Großteil der Leine entspricht durch Ausbau, Begradigung und Uferbefestigung durch Steinschichtungen nicht mehr einem naturnahen Zustand. Leine und Ilme Weisen einen zu hohen Nährstoffgehalt und als Folge davon eine zu starke Algenentwicklung auf. Die Stickstoff- und Phosphorbelastung im Wasser ist zu hoch. Die Tier- und Pflanzenvielfalt in der Leine und ihren Zuflüssen weist deutliche Defizite auf. (OWS)

Rhume

Die Rhume (insbesondere ihr Oberlauf) ist bedingt naturnah und in Teilen besonders schutzwürdig, allerdings wird dieser Eindruck durch Querbauten sowie Begradigungen getrübt. Die Harzflüsse Sieber und Oder sind ebenfalls abschnittsweise naturnah, ihre Durchlässigkeit ist durch Sperren beeinträchtigt. Während der Nährstoffgehalt und die Algenentwicklung in der Rhume sowie im Unterlauf der Sieber zu hoch ist, sind Oder und Söse eher nährstoffarm, was dort zu einer geringeren Algenentwicklung führt. Generell weist die Tier- und Pflanzenwelt in der Rhume und ihren Zuflüssen in Teilen deutliche, in anderen Bereichen aber auch nur geringe Einschränkungen auf. (OWS)