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Gewässergüte des Jues an Kleinstlebewesen ablesbar

Herzberger Ernst-Moritz-Arndt-Hauptschüler untersuchten den Juessee

Herzberg (ema/rr). Drei Schülerinnen und 12 Schüler aus den Klassen 7 und 8 der Ernst-Moritz-Arndt-Hauptschule nahmen am Jugendwettbewerb "Unsere Umwelt mitgestalten" der Sparkasse im Kreis Osterode teil. Die 13- bis 15jährigen untersuchten unter Betreuung ihres Fachlehrers Wolfgang Jürgens in der Arbeitsgemeinschaft "Umwelt" den Zustand des Juessees. Sie erarbeiteten dafür eigene Methoden und bauten sogar eigene Geräte. Die Arbeit ist so ausgezeichnet, daß die Sparkasse sie auf überregionaler Ebene für den Landeswettbewerb vorschlagen will. Da den Herzberger Bürgern das Wohl und Wehe ihres Jues sehr am Herz liegt, versuchen wir interessante Aspekte und Ergebnisse aus der Arbeit der Schüler wiederzugeben. Die Ausarbeitung ist natürlich sehr wissenschaftlich gehalten, mit vielen Tabellen und Formeln, auf die in diesem Artikel verzichtet werden muß.

Die Schüler erarbeiteten über einen längeren Zeitraum die Wachstumsbedingungen der Wasserpest, die durch ihren starken Wuchs viel Sorge bereitet. Die Stadt Herzberg bestellte ein Gutachten für ca. 15 000 DM, das in diesem Frühjahr vorgelegt werden soll. Die Jugendlichen engagieren sich stark für den Jues und betrachten ihr umfangreiches Werk als keineswegs abgeschlossen. Sie hoffen, daß sie in Zukunft in Sachen Jues ein Wörtchen mitreden dürfen.

Was ist das eigentlich - der Jues?

Der Arbeit der Hauptschüler ist folgende Beschreibung des Jues-sees zu entnehmen. Der Juessee hat eine Fläche von 68,8 ha und besteht aus zwei miteinander verbundenen Gewässern, dem großen und dem kleinen Juessee. Durch unterirdische Auslaugungen und Einstürze enstand im ökologischen Sinne ein echter See mit tiefem Wasser, der frei von höheren Wasserpflanzen ist. Nur der flache Uferbereich bietet der kanadischen Wasserpest genügend Spielraum zur Vermehrung. Der kleine Juessee ist hingegen in ökologischer Hinsicht ein Weiher. Er ist so flach, daß das Sonnenlicht bis in den Bodenbereich durchdringen kann. Eine Wasserzirkulation, wie im großen Jues, kann hier nicht stattfinden. Das junge Untersuchungsteam erstellte eine geologische Profilskizze, um die Untergrundbeschaffenheit des Jues zu untersuchen. Durch die unterschiedlichen Zechsteinablagerungen existiert eine Vielzahl von Salzen im Boden, der mit Ablagerungen von Pflanzen- und Tierresten bedeckt ist. Der nächste Schritt war die Untersuchung der Zu- und Abläufe zum Jues.

Der einzige natürliche Zufluß ist der Eichelbach, der landwirtschaftlich genutzte Flächen, z.T. mit Gefälle zum Bach hin, durchfließt. Die Schüler vermuten deshalb, daß größere Mengen Ackerbodens durch Niederschläge über den Eichelbach in den kleinen Jues gelangen und sich dort absetzen konnten, besonders vor der Insel, weil hier die Strömungsverhältnisse die Ablagerungen begünstigen. Der Mühlengraben wurde nach Untersuchungen der Schüler der Güteklasse I zugeordnet, da er nur mäßig verschmutzt ist. Hier wurden als Leitorganismen Stein- und Eintagsfliegenlarven beobachtet, die in stärker verschmutzten Gewässern nicht leben könnten und daher als Indikator für die Gewässergüte dienen können.

Die Wasserpest

Die zunehmende Verlandung des Jues wird durch die kanadische Wasserpest (Elodea canadensis) verursacht. Sie ist eine Tauchpflanze, wie die jungen Forscher herausfanden. Ihr Stiel wird ca. 3 m lang. Der danach absinkende Teil bildet wieder neue Wurzeln und Sprosse. So kommt es zu einer übermäßigen Vermehrung. Gleichzeitig fehlen Organismen, die die toten Bestandteile verarbeiten. Da in Europa nur die weibliche Ausführung der Wasserpest verbreitet ist, pflanzt sich die Tauchpflanze ungeschlechtlich fort. Die Wasserpest dient im ökologischen Sinne u.a. der Fischbrut als Schutz vor Räubern, so daß ein radikales Eingreifen in den Bestand von den Hauptschülern nicht befürwortet wird. Durch die geschilderten Umstände begünstigt, kann sich die Fadenalge durch den reichhaltig vorhandenen organischen Dünger ebenfalls stark vermehren. "Das Reinigen des Jues durch die Stadt reicht", nach Meinung der Hauptschüler, ,,nicht aus, die weiter fortschreitende Verlandung zu verhindern."

Biologische Leitorganismen

Die Schüler machten mit einem Planktonnetz an verschiedenen Stellen des Jues und des Ochsenpfuhls jeweils 10 Durchzüge, um die mikroskopischen Leitorganismen bestimmen zu können. Sie konstruierten selbst eine Zentrifuge, um die Anzahl der Mikroorganismen zu erfassen. Hier kamen sie an eine Grenze, weil die Umdrehungen der Zentrifuge nicht ausreichten. Aber Wimperntierchen wurden bestimmt. Diese Lebewesen entstammten dem Ochsenpfuhl und sind der Gewässergüteklasse IV zugeordnet.

Deshalb wurden im folgenden Lebewesen im makroskopischen Bereich untersucht. Da nicht genügend Becken zur Verfügung standen, entfiel eine Untersuchung an Fischen. Die Hauptschüler beschäftigten sich deshalb mit sogenannten Fischnährtieren, wie Eintagsfliegenlarven, Köcherfliegenlarven, Bachflohkrebsen und Schlammröhrenwürmern, da sich die Fische nur selten rein von Wasserpflanzen ernähren. Die Tiere verbrauchen eine gewisse Menge Sauerstoff, dessen Vorhandensein in einem Gewässer für die Gewässergüte sehr markant ist. Die Schüler ermittelten für den Jues Gewässergüte I bis II.

Unter Eutrophierung versteht man die Anreicherung von Pflanzennährstoffen. Zunächst versuchten die Schüler herauszufinden, wie sich ein erhöhter Nitrat- und Phosphatgehalt auf das Wachstum der Fadenalge auswirkt. Dann wurde die Anreicherung dieser Stoffe im Uferbereich des Jues betrachtet. Tatsächlich hat die Fadenalge dort gute Wachstumsbedingungen durch den starken Bewuchs der Uferzone und die dort auftretende Erwärmung des Wassers.

Die chemische Analyse des Juesseewassers war ein weiterer Schritt der Arbeit. Die Untersuchungen der Schüler ergaben, daß die Menge an Phosphat kaum meßbar ist, das gleiche galt für Nitrit. Damit blieben die aus der Landwirtschaft stammenden Schadstoffe unter dem Erwartungswert. Schwermetalle können die Schüler nicht bestimmen.

Die Arbeit enthält im weiteren Kontext die Vorstellung der Jugendlichen zu sinnvollem Umweltschutz. Ihre Einschätzung des Jues ist in einem gesonderten Artikel hier abgedruckt.

 

Aus dem Harz Kurier vom 05. Januar 1989