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Altlasten als "Zeitbomben" im Gebiet des Pöhlder Beckens

Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde warnt dringend

Pöhlde/Kreis Osterode. Wie die Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde in Niedersachsen e.V. in einer jüngsten Presseerklärung feststellt, ist das Karstwasservorkommen des Pöhlder Beckens durch verschiedene Altlasten erheblich gefährdet. Der Verein fordert daher die Behörden auf, Konsequenzen schnell und druchgreifend zu ziehen.

"Umweltkrisen meistert man am besten und billigsten, indem man ihnen zuvor kommt", betonte der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft. Der Verein, dessen Mitglieder sich seit langem mit der Erforschung und dem Schutz des Karstes im Harz und Niedersachsen beschäftigen, fordern jetzt unter Hinweis auf Presseberichte aus dem Göttinger Raum, eine genaue Kartierung aller Altlasten im Karstgebiet des Pöhlder Beckens zu erstellen und zu veröffentlichen. Die jüngst ins Gerede gekommene illegale Deponie in einer Kiesgrube bei Scharzfeld, die möglicherweise durch die Untätigkeit eines Kreisbediensteten zu verantworten sei, sei bei weitem nicht die einzige gefährliche Ablagerung im Pöhlder Becken. Die am Südharzrand ansässige Industrie haben über Jahrzehnte hinweg Kiesgruben, aber auch Erdfälle und Dolinen als billige Deponie für z.T. gefährliche Abfälle benutzt.

Erkenntnisse über Altlasten

Eine Reihe von Erkenntnissen über grundwassergefährdende Altlasten im Pöhlder Becken, dem karsthydrogeologischen Einzugsgebiet für die Rhumequelle, liegen den Behörden bereits vor, wie die Arbeitsgemeinschaft betont. So gäbe es Erkenntnisse beim Landkreis Osterode, aber auch beim zuständigen Wasserwirtschaftsamt Göttingen sowie der Bezirksregierung Braunschweig. Letztere führe sogar ein Altlastenkataster, dessen Veröffentlichung der Verein für das Gebiet des Pöhlder Beckens fordert. Auch habe der Landkreis Osterode erst vor kurzem eine "Erdfallkartierung" des Kreisgebietes durchführen lassen, aus der die Lage von verfüllten Erdfällen und Dolinen hervorgehe.

Unabsehbare Gefahren für die Rhumequelle

Wie der Sprecher betonte, sei es wichtig, schnell zu handeln. Ein langjähriges Erfassungsprogramm sei zwar ebenfalss wichtig, um noch unbekannte Deponien aufzuspüren. Doch könne in einer Reihe von Fällen schon jetzt gehandelt werden. Dabei müsse das Verursacherprinzip angewendet werden.

Halte man sich jetzt im Grundwasserschutz zurück, kämen auf die Rhumequelle unabsehbare Gefahren zu. Alternative sei dann die Trinkwasserversorgung aus dem Harz. Dieses werde der Kreis nicht wollen, so der Sprecher abschließend.

Die Bevölkerung bittet der Verein, den Umweltschutzorganisationen Hinweise sowie den Behörden bzw. der Polizei Hinweise auf evtl. noch unbekannte illegale Ablagerungen zu geben. Die Behörden allein seien in diesem Punkt oft überfordert, wie das Beispiel anderer Kreise zeige.

 

Aus dem Harz Kurier vom 21. August 1986

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