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Harte Kritik an der Informationspolitik

NDR-Live-Sendung über Schwermetallbelastungen in Bad Grund

Live-Diskussion vom Grunder Taubenborn (Foto: cap)Bad Grund (cap). In der 45minütigen Live-Sendung für N3-aktuell am Mittwochabend konnte sich Bürgermeister Dr. Wolfgang Domröse noch so viel Mühe geben, die Schwermetallbelastung im Ort als ein Erbe des 450jährigen Bergbaues darzustellen. Die Sendung suggerierte schon in der Moderation zu Beginn, daß in Bad Grund "verzweifelte Anwohner in Angst um Gesundheit und Vermögen" leben. Und einmal war sogar die Rede von einer "neuen Gefahr", die drohe - die Bleibelastung.

In der von Sabine Noethen moderierten Live-Diskussion, die nachmittags am Taubenborn aufgezeichnet worden war, gerieten schnell der Landkreis und die Stadt Bad Grund für ihre Informationspolitik in die Kritik. "Um eine unnötige Panikmache Dritter zu vermeiden" waren die Werte eines 1994 entstandenen Bodengutachtens über ausgewählte Grundstücke vom Landkreis nicht veröffentlicht worden.

"Die Jahrhunderte alte Bleibelastung hat sich hier offenbar auf die Intelligenz ausgewirkt. Sonst müßte ich nicht so dumme Sprüche lesen wie: Hier ist noch keiner tot umgefallen!" Der Toxikologe Prof. Otmar Wassermann in der NDR-Diskussion.

Für den Göttinger Rechtsanwalt Gerald Windus ist dem Landkreis damit "eine wahnsinnige Fehleinschätzung" unterlaufen. Die Bevölkerung sei nicht mit der "gebotenen Sorgfalt" informiert worden, sagte Windus, nachdem Kreisdirektor Anselm von Blanckenburg noch einmal die Gründe für das Gutachten dargestellt hatte, in dem zum Ausdruck kommt, daß ein Drittel des Kreisgebietes schwermetallbelastet ist.

Jürgen Menge, Verein für Umwelt, sagte, er habe festgestellt, daß die Gemeinden die in dem Gutachten genannten Belastungswerte überhaupt nicht kennen. Bad Grunds Stadtdirektor Bernd Boysen hielt dagegen, man habe eigene Gutachten in Auftrag gegeben und auch Betroffene darüber informiert.

Daß der ganze Harz mit Schwermetallbelastungen leben muß und daß das auch den hier lebenden Menschen seit Jahrzehnten bekannt ist, machte Ulrich Rischmüller von der Bezirksregierung deutlich ("Der Harz ist verhext").

Dr. Ludger Küter vom Gesundheitsamt Osterode verwies auf Untersuchungen aus anderen Bergbaugebieten nach denen eine Gesundheitsgefährdung ausgeschlossen ist. Gleichwohl regte der Kieler Toxikologe Professor Otmar Wassermann eine großangelegte Untersuchung an, die seiner Meinung nach der Verursacher, die Preußag, zu zahlen habe, Professor Wassermann: "Das ist besonders wichtig für die Kinder". Diese Anregung fand Verständnis beim Bürgermeister, dem ansonsten die Diskussion "viel zu theoretisch" war. Dr. Domröse: "Hier sind schließlich Menschen 100 Jahre alt geworden."

 

Aus dem Harz Kurier vom 14. August 1998
Foto: Live-Diskussion vom Grunder Taubenborn (cap)