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Ein "Erbe" aus früheren Bergbauzeiten?

Schwermetall-Belastungen im Kreis Osterode

Herzberg (mad). Am Dienstag fand ein Informationsabend statt unter dem Thema: "Ein Drittel des bebauten Kreisgebietes ist schwermetallbelastet". Bei leider nur mäßiger Beteiligung berichtete Jürgen Menge vom Umweltschutzverein Herzberg über die Schwermetallbelastung im Kreisgebiet.

Aufmerksam geworden war er durch Proben aus Gärten und Komposten und verschiedenen Presseinformationen über hohe Schwermetallbelastungen. In einem Gutachten des Landkreises Osterode über mehr als 1100 Proben aus dem gesamten Kreisgebiet erschienen teilweise sehr hohe Werte bei verschiedenen Belastungen.

Als Extrembeispiel ist hier Bad Grund zu nennen, wo durchschnittlich ein Bleigehalt vorliegt, der den Richtwert von 300 Milligramm pro Kilogramm Boden um 500% überschreitet. Zu diesem Extrem ist auch Riefensbeek-Kamschlacken, wo ähnliche Werte gefunden wurden, zu zählen.

Aber auch in der näheren Umgebung von Herzberg sind überhöhte Belastungen festgestellt worden. So ist in Sieber eine Überschreitung von 500% bei Blei und bei Zink um 300% über Richtwert nachgewiesen worden.

Auch in Herzberg selbst sind Proben gefunden worden die den Richtwert eindeutig überschreiten. Zusammenfassend wurde festgestellt, daß Herzberg, Lonau und Sieber den schwermetallbelasteten Gemeinden des Landkreises Osterode zugeordnet werden müssen.

Schwermetallbelastungen sind besonders gefährlich für Kleinkinder, die oft direkt mit dem Boden in Berührung kommen. Auch bei niedrigsten Dosen können Schwermetalle bereits Effekte auslösen. Zu diesen Effekten gehören Kopfschmerzen, Wesens- und Gewichtsveränderungen und weitere chronische Krankheiten.

Wenn die Schulmedizin bei solchen Problemen versagt, sei es angebracht, die Vermutung auszusprechen, daß eine Schwermetallbelastung vorliegen könnte und damit eine nähere Untersuchung des Hintergrundes empfehlenswert sei.

Schwermetalle sammeln sich besonders stark in bestimmten Pflanzen, wie zum Beispiel Salat, Spinat, Kresse oder Mohren. Dagegen findet eine Ansammlung in Hülsenfrüchten, Tomaten, Kern- und Steinobst so gut wie gar nicht statt.

Die große Frage bleibt, wo diese hohen Belastungen herstammen. Hierbei gibt es nur Vermutungen. Eine davon deutet auf den früher im Harz intensiv betriebenen Bergbau hin, eine weitere auf den atmosphärischen Eintrag von Schadstoffen aus der niedersächsischen Tiefebene. Ähnliche Vorgänge stellte man bereits in Berggebieten Schwedens und der USA fest.

 

Aus dem Harz Kurier vom 09. März 1995